Straches Hass-Schule

Untercover in der FPÖ: So wird im FPÖ-Bildungsinstitut mit Steuer-Millionen öffentlich gegen Muslime gehetzt. 

Erschienen in News, 26/11/2009 


„Der Islam ist feindselig. Der Koran ist böse. Muslime hassen uns und sind im Dauerkrieg mit uns. Und sie sind sehr gut darin, uns einzulullen. Doch von mir bekommen Sie heute Argumente, um dagegen zu reden,“ verspricht Elisabeth Sabaditsch-Wolff. 

Es ist Donnerstag Abend und die stämmige Blondine mit strengem Haarknoten wird in den nächsten vier Stunden in einem kleinen Seminarraum im Wiener Hotel Ibis über die „Grundlagen des Islam“ referieren. Veranstalter des Seminars ist das Freiheitliche Bildungsinstitut. Über 2,2 Millionen Euro an öffentlichen Geldern bekommt die Parteiakademie der FPÖ dieses Jahr, um – so sieht es zumindest das Gesetz vor – staatsbürgerliche Bildungsarbeit zu leisten. Doch mit Bildung hat das Islam-Seminar in der FPÖ-Kaderschmiede nichts zu tun. Elisabeth Sabaditsch-Wolff gibt einen Crashkurs in Volksverhetzung. 

Zu Gast bei Strache. Die Einladung dazu kam von H.C. Strache höchstpersönlich: „Top-Seminare zum 0-Tarif, um sich nützliches Know-How für Schule, Beruf und Privatleben zu verschaffen“, verspricht er in einem Brief, der im Sommer an Österreichs Jungwähler ging. Dazu präsentiert er ein 64 Seiten starkes „Bildungsprogramm 2009“, in dem man aus vierzig kostenlosen Seminaren wählen kann. Die Anmeldung erfolgt über die Website des Freiheitlichen Bildungsinstitutes, auf der noch mehr Veranstaltungen zur Auswahl stehen. Darunter: Ein dreiteiliges Seminar über die Grundlagen des Islam. „Hier erfahren Sie, was die offizielle Politik unter dem Deckmäntelchen der Toleranz ignoriert oder bewusst verschweigt“, verspricht die Kursbeschreibung. 

"Die Muslime töten wegen der Religion"

Mitte Oktober findet der erste Termin statt. In einem kleinen Seminarraum mit grellem Licht aus Leuchtstoffröhren sitzen 32 Leute, die mehr über den Islam wissen möchten. Wassergläser und Skripten zum Mitschreiben sind bereitgestellt. Ein Beamer projiziert blitzblaue Powerpoint-Folien an die Wand.

Die Jus-Studentin, der Streifenpolizist, der Beamte und die anderen FPÖ-Sympathisanten haben mehr gemeinsam als reinen Wissensdurst: „Wir alle fühlen uns unwohl in der Gegenwart von Muslimen“, fasst Sabaditsch-Wolff zusammen und warnt die verängstigte Gruppe gleich zu Beginn: „Sprechen Sie niemals das islamische Glaubensbekenntnis laut aus, auch nicht zum Spaß. Sonst sind Sie selbst ein Moslem. Und das Endziel der Moslems ist, dass die ganze Welt zum Islam übertritt. Das steuern sie über Einwanderung und Geburtenrate.“

 Die nächsten vier Stunden zitiert sie willkürlich Verse aus dem Koran, interpretiert sie nach Gutdünken und folgert: „Im Koran steht, dass alle, die den Islam ablehnen, getötet werden müssen. Muslime töten wegen der Religion.“ Die Zuhörer nicken zustimmend und machen sich Notizen. Hin und wieder geht ein Raunen durch die Menge. Man lernt, dass man keinem Moslem vertrauen darf, „weil sie uns tagtäglich ins Gesicht lügen. Das ist ihre religiöse Pflicht.“   
Nach neunzig Minuten brauchen die Teilnehmer erst einmal eine Pause. Das Buffet ist innerhalb von wenigen Minuten leer geräumt, jetzt wird bei einer Zigarette eifrig diskutiert: „Eines der großen Probleme, das wir heute haben,“ erklärt Sabaditsch-Wolff, „ist, dass es für einen männlichem Moslem das oberste Gebot ist, genau wie Mohammed zu leben. Und der hatte nun mal gerne etwas mit Kindern.“

‚Kämpfe wie eine Löwin gegen Islamisierung’. Die Vortragende, Elisabeth Sabaditsch-Wolff, nennt sich „Islam-Expertin“, weil sie mehrere Jahre in muslimischen Ländern wie dem Iran, Kuwait oder Libyen gelebt hat. 1990 wurde sie von Saddam Hussein als Geisel in Kuwait festgehalten. Von 1995 bis 1997 arbeitete sie im Kabinett des damaligen Vizekanzlers Wolfgang Schüssel. Heute kämpft sie „wie eine Löwin gegen die Islamisierung Europas.“ Wenn sie nicht gerade in FPÖ-Seminaren Hasspredigten auf den Islam hält, arbeitet sie „im Untergrund“: Sie ist Generalsekretärin des Vereins „Mission Europa. Netzwerk Karl Martell“, dessen Namensgeber im achten Jahrhundert gegen die Araber Krieg führte. In dieser Funktion nimmt sie an der jährlichen „Counter Jihad Konferenz“ teil, wo sie sich mit Rechtsnationalen wie Filip Dewinter das Podium teilt. Heuer hat sie dort in ihrem „Housewife’s Kit to resist Islamization“ eine kompakte Anleitung zur Hetze präsentiert. Unter Pseudonymen und Kürzeln postet sie im Internet anti-islamische Artikel. Und: Sie sitzt im Präsidium des Wiener Akademikerbundes. 

"Muslime sind zum Lügen verpflichtet"

Die vermeintlich ÖVP-nahe Organisation vertritt, was den Islam betrifft, nämlich den gleichen Standpunkt wie Sabaditsch-Wolff, verrät sie in der Pause: „Im Endeffekt sind wir alle gleich. Aber wir müssen uns ein bisserl aufsplitten.  Wir sind momentan von der ÖVP so weit entfernt, wie noch nie. Doch wir müssen Distanzen wahren und weiter so tun als ob. Wir wollen ja eine breite Meinungsbildung betreiben.“

Politischer Leitfaden. Das richtige Forum für ihre extremen Einstellungen hat sie nun bei der FPÖ gefunden. Zwei Mal im Jahr hält Sabaditsch-Wolff am Freiheitlichen Bildungsinstitut ihren dreiteiligen Vortrag über den Islam. Der Herbst-Termin ist ausgebucht. 

Nach der 20minütigen Pause schiebt sie sich noch einen dritten Donought in den Mund und präsentiert im zweiten Teil des Seminars kompakte „8 Fakten, die gegen den Islam sprechen“. Schließlich gibt sie den Teilnehmern, die nun mit Argumenten für Diskussionen gewappnet sind, noch eine politische Anweisung mit: „Sagen Sie auf keinen Fall, dass wir von der FPÖ gegen den Islam sind. Das ist politisch nicht klug, da fällt uns die Religionsfreiheit auf den Kopf. Lassen Sie den Islam aus Ihrem Vokabular draußen und richten Sie sich gegen die Scharia. Unter uns und in Ihren Herzen können Sie natürlich gegen den Islam sein. Aber gehen Sie damit nicht auf die Straße.“ 

Nach genau vier Wochen, in denen die Teilnehmer die Inhalte verinnerlichen konnten, wird das Seminar fortgesetzt. Fast alle, die schon beim ersten Mal da waren, sitzen pünktlich um halb sieben wieder im Seminarraum im Hotel Ibis. Nur der Streifenpolizist muss heute Schicht schieben und versäumt den Themenschwerpunkt „Islamisierung Europas. Die Bedrohung der westlichen Wertegemeinschaft.“ 

Offensichtlich hat der letzte Vortrag die Teilnehmer zum Nachdenken gebracht: „In der FPÖ-Zeitung hat letztens ein Türke einen Leserbrief geschrieben, der Parteimitglied geworden ist. Das finde ich toll. Es gibt also schon Integration und Moslems, die umdenken können“, gibt eine zierliche Dame zu denken, die mit ihrem Mann gekommen ist. „Schön wär’s!“ kontert Sabaditsch-Wolff. „Aber überlegen Sie einmal, wo seine Loyalität liegt, wenn’s heiß wird? Einmal Türke immer Türke.“ Damit sind alle Zweifel beseitigt. „Vielleicht will er seine eigene Haut retten, wenn es so weit ist,“ lenkt die vermeintlich Tolerante ein. Und Sabaditsch-Wolff mahnt: „Vergessen Sie nicht das Gebot, das Moslems zum Lügen verpflichtet.“ 

Nachdem sich die Gruppe schon besser kennt, ist die Stimmung heute gelassener als beim ersten Mal. „Mein Onkel hatte einen deutschen Schäferhund, der immer ganz scharf wurde, sobald er Moslems sah“, erzählt ein anderer Teilnehmer und erntet Gelächter. 

"Auch unsere Hunde hassen Muslime"

Eine laute Jus-Studentin mit rollendem R im Zungenschlag will mitbuhlen um die Anerkennung der Kollegen und schildert stolz, was sie einem muslimischen Taxifahrer hinterher geschrieen hat, der eine Freundin  und sie  mit einem Hund nicht in sein Auto steigen lassen wollte: „Der Hund is’ sauberer wie du, weil du bist dreckig!“ In das Gejohle mischt sich jetzt sogar Applaus. Reihum packt nun jeder eine Anekdote aus seinem Alltag aus, in der es um Hunde geht, die Muslime hassen. „Auch Hunde sind Rassisten“, folgert Sabaditsch-Wolff lachend. „Und sind damit die besseren Menschen“, kommentiert ein wohlgenährter Mann mit Stoppelglatze und gelockten Nackenhaaren, der behauptet, im Innenministerium zu arbeiten.   

‚Muslime vergreifen sich an Kindern.’ So richtig sicher fühlen sich die Islam-Feinde aber nur unter ihresgleichen: Die Vorhänge müssen komplett geschlossen werden. Und während der Kellner Nachschub an Mineralwasser bringt, verstummt Sabaditsch-Wolff. Doch sobald man wieder unter sich ist, plaudert auch sie aus dem Nähkästchen: „Wenn ich ein Burka-Gespenst auf der Straße sehe, zücke ich mein Handy und fotografiere sie heimlich.“ Und sie versucht sich als Nachfolgerin der FPÖ-Abgeordneten Susanne Winter, die Mohammed als Kinderschänder bezeichnete, und dafür wegen Verhetzung verurteilt wurde: „Wenn Kardinäle Kinder vergewaltigen, machen sie das trotz der Religion. Muslime vergewaltigen Kinder wegen der Religion“, eröffnet sie und beschwert sich: „Europa unterwirft sich freiwillig der arabischen Welt.“ John, ein Amerikaner mit vernarbtem Gesicht, der in drei Kriegen war, wehrt sich scharf gegen diesen Vorwurf: “Das wirst du nicht erleben, Elisabeth, dass ich mich denen unterwerfe. Da ramm’ ich ihnen eher das Bayonette den Arsch hoch.“ Für diese Drohung wird er mit zustimmendem Gelächter belohnt.

 Nun gehen die Gemüter hoch: „Moslems dürfen beim Bundesheer Bärte tragen, während ‚Unsere’ sich die Zoten abschneiden lassen müssen,“ reklamiert die zierliche Zuhörerin. „Und beim Eid dürfen sie sich umdrehen!“ setzt der Amerikaner ein. „Denen müsste man die Staatsbürgerschaft abnehmen!“ Die Vortragende hakt ein: „Wir können keine Staatsbürgerschaft abnehmen. Das wäre die Aufgabe der FPÖ, das durchzusetzten, wenn sie einmal an der Macht ist. Außerdem gehen die Moslems ja mit einem anderen Ziel zum Bundesheer: Da geht es um die Infiltrierung.“ „Demokratie wird nicht anerkannt“, brüllt John, der nun wirklich in Rage ist: „Manchmal denke ich mir, wo bin ich eigentlich gelandet? Wenn das bei uns in der US-Army ein Soldat machen würde, weißt du, was ich mit dem mach? Den prügel’ ich da raus mit den anderen Kameraden!“

Abkühlung am Buffet. In der Pause kühlen sich die Hitzköpfe mit Bier und Brötchen ab. In kleinen Gruppen wird weiter diskutiert: „In Deutschland wurde die Vorführung der Mozart-Oper Idomeneo abgesagt, weil Ausschreitungen befürchtet wurden – als ob je ein Moslem in die Oper gehen würde!“ so Sabaditsch-Wolff: „Ich hab einmal eine verschleierte Frau in einem Konzert gesehen und mir gedacht, dass sie sich verirrt haben muss.“ „Wahrscheinlich war’s die Putzfrau“, scherzt die Studentin mit der schrillen Stimme und setzt ins allgemeine Johlen ein. 

Dann bittet Sabaditsch-Wolff noch um Spenden für den Verein „Mission Europa“, schluckt das letzte Speckbrot, das sie sich vom ägyptischen Koch überbacken hat lassen, um zu testen, wie integriert er ist, und klatscht die Gruppe wieder zurück in den Seminarraum. 

"Den prügel ich raus"

‚Muslime führen einen heimlichen Dschihad.’ Die Stimmung bleibt auch nach der Pause aggressiv. Schließlich gilt es, die westliche Zivilisation, die „im Gegensatz zur so genannten ‚arabischen Zivilisation’ tatsächlich so genannt werden kann“ vor dem Untergang zu bewahren. Die ist nämlich, erklärt die Seminarleiterin, vom „heimlichen Dschihad“ bedroht, der mit gewaltlosen Mitteln versucht, den Islam in Europa zu verbreiten. Die Powerpoint-Folie verrät die aktuellen Dschihad-Arten: Demographie-Dschihad, Einwanderungs-Dschihad, Liebes-Dschihad. „Muslimische Burschen sorgen dafür, dass sich nicht-muslimische Mädchen in sie verlieben, nur, damit sie konvertieren“, erörtert Sabaditsch-Wolff die geheime Kriegsstrategie. Ihr Publikum ist entsetzt.

‚Scheiß-Islam’. „Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr“, warnt sie weiter. „Wer von Ihnen würde sich jetzt trauen auf die Straße zu gehen und zu sagen ‚Islam ist Scheiße’?“ Es melden sich die üblichen Verdächtigen: John und der Herr aus dem Innenministerium. „Gemma, gemma“, brüllt er und lacht heiser. Doch die beiden bleiben dann doch sitzen und lauschen weiter.  

Es folgt eine Statistik die aufzeigt, welcher Prozentsatz an Moslems in einem Land welche Art von Problemen verursacht: „Sobald wir einen muslimischen Bevölkerungsanteil von 20 Prozent haben“, droht die Referentin, „kommt es zu Morden, Ausschreitungen, zu niedergebrannten Kirchen. Das steht uns alles bevor.“ Ein bisschen weniger gefährlich ist es in Dänemark: „Dort gibt es Gott sei Dank die Hells Angels.“ Die kriminelle Motorrad-Gang führt in Kopenhagen einen Bandenkrieg gegen Migranten. 

In Österreich muss man sich aber vorerst auf die FPÖ verlassen, empfiehlt Sabaditsch-Wolff: „ Wir müssen Parteien wählen, die sich offen gegen islamische Einwanderung wehren, die sich nicht scheuen, Dinge beim Namen zu nennen. Wir müssen HC Strache unterstützen.“ 

‚Politiker auf Stimmezwang sind wie Huren.’ Denn auf alle anderen Politiker ist laut Sabaditsch-Wolff kein Verlass: Weder auf Wilhelm Molterer, der sie „zwei Tage vor der letzten Wahl angerufen hat“, um sie davon zu überzeugen ÖVP zu wählen, noch auf Benita Ferrero-Waldner und ihre „Spezial-Freundin, unsere ehemalige, große blonde Außenministerin“, die „ein Sprachrohr von Palästina ist.“ Besonders von der Volkspartei ist die Ex-Schwarze bitter enttäuscht: „Die ÖVP ist verloren. Dabei hatten wir sie vor eineinhalb Jahren schon relativ weit. Doch dann kam die Wahl, die ÖVP ist nach links gerutscht und hat die jahrelange Arbeit des Akademikerbundes zunichte gemacht.“ Als Draufgabe verkündet sie ein scharfes Urteil: „Politiker tun alles für unsere Stimmen. Sie sind wie Huren.“

Deshalb ruft Sabaditsch-Wolff jetzt zum Aktionismus: “Wichtig ist, dass wir alle etwas gegen diese Zustände unternehmen. Wir dürfen uns nicht mundtot machen lassen. Alles was ich sage, wird als Islamophobie, Fremdenhass oder Hassrede abgestempelt. So etwas nehme ich gar nicht ernst.“ Es scheint, als hätte sie in den Seminarteilnehmern ein paar neue Mitstreiter rekrutiert. Der Herr aus dem Innenministerium lässt sich zu einer umfassenden Schlussfolgerung hinreißen: „Das ganze kann man auf eine Sache reduzieren: Es geht nur ums Wirtschaftswachstum und darum, dass wir nicht von der Energie abgeschnitten werden. Dafür haben wir alles verkauft. Europa könnte schon längst energieautark sein ohne diese Trottel-Wüstenvölker. Schon zu Hitlers Zeit hat es Wasserstoffautos gegeben.“

Fortsetzung folgt.  Nach vier Stunden fühlen sich wohl alle in ihrer Ansicht bestätigt, dass Moslems nicht nach Europa gehören. Doch die Referentin hat Sorge: „Wenn die neue Antidiskriminierungs-Richtlinie durch ist, können Gruppen wie wir uns nicht mehr aufbäumen“, fürchtet sie. „Dann ist Schluss mit ‚Scheiß-Islam’!“
Den dritten und letzten Teil ihrer Islam-Hetze wird sie am Donnerstag dieser Woche präsentieren. Dann spricht Elisabeth Sabaditsch-Wolff darüber, „warum man mit Muslimen keine Geschäfte machen darf.“ Für den Frühling 2010 ist der nächste Seminarzyklus vom Freiheitlichen Bildungsinstitut geplant. 


Anmerkung: Die FPÖ musste als Konsequenz dieser Geschichte Fördergelder für die Parteiakademie zurückzahlen, das Parteiakademiegesetz wurde geändert und die Vortragende wurde 2011 vom Oberlandesgericht Wien wegen Herabwürdigung religiöser Lehren verurteilt.